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Kakerlaken als Lebensmittel

Kakerlaken im Restaurant essen

Kakerlaken eignen sich als Lebensmittel im Restaurant und in anderen Ländern werden diese Tierchen gegrillt verspeist.
Können Sie sich vorstellen, einen Teller voll Kakerlaken zu verspeisen? Wahrscheinlich nicht. In unseren Breiten sind solche Tierchen schlecht angesehen und werden erst recht nicht als kulinarische Delikatesse gehandelt. Seit die ersten Ethnologen bei ihren Feldforschungen feststellten, dass in fremden Völkern jede Menge Insekten verzehrt werden, steht unsere Welt auf dem Kopf. Mittlerweile haben wir uns ein bisschen daran gewöhnen können. Die Presse hat berichtet, es hat verschiedene Fernsehbeiträge zum Thema gegeben und wir sind mit dem Thema vertrauter. Der eine oder andere Urlauber hat im Ausland solche Delikatessen probiert und sich eine Meinung darüber gebildet. Das Gros der Bevölkerung bleibt gerne beim gewohnten Essen.

Insekten als Lebensmittel?

Kakerlaken bestellen

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Die Ernährungsethnologie hat festgestellt, dass in vielen Ethnien kein Überleben möglich gewesen wäre, wenn man nicht auch auf Insekten oder andere ungewöhnliche Nahrungsmittel zurückgegriffen hätte. Vor allem Jäger und Sammler waren auf Insekten angewiesen, um ihren Eiweiß oder Fettbedarf zu decken. Das erklärt aber noch lange nicht, warum man heutzutage Kakerlaken als Lebensmittel im Restaurant oder anderen Ländern als Spezialität angeboten bekommt. Heutzutage sind Kakerlaken-Spezialitäten doch nicht mehr nötig, da wir über eine weltweite Kette an Lebensmittelkonzernen samt der durch sie initiierten Ex- und Importe verfügen? Aus Sicht der Afrikaner oder anderer Völker sieht die Sache aber schon anders aus. Hier ist von unserem Essens-Überfluss nur wenig zu spüren. Die armen Menschen vieler Länder essen weiterhin Nahrung, die wir nicht einmal im Traum essen würden. Stattdessen gefallen wir uns darin, als Mutprobe in exotische Restaurants zu gehen, wo man uns Krokodilsteak, Straußeneier und gegrillte Heuschrecken serviert.

Kakerlakenspieß und Ameisensalat

Rüdiger Nehberg hat vielleicht als Survivalkünstler gelegentlich Kakerlaken essen müssen – aber wir? Sollten wir unbedingt Kakerlaken als Lebensmittel im Restaurant oder anderen Ländern probieren? Reicht es nicht, wenn wir den Menschen im Dschungelcamp zusehen, wie sie sich zur Gaudi aller mit ekelhaften Dingen vollstopfen müssen, um als Gewinner nach Hause zu gehen? Im amerikanischen Deerfield Beach veranstaltete man 2012 unter dem Motto „Midnight Madness“ ein Kakerlaken-Wettessen, bei dem ein besonders eifriger Esser, der schließlich zum Sieger ernannt wurde, nach dem Genuss von Kakerlaken und Würmern starb. Inspiriert uns das, es ihm freiwillig gleichzutun? Immerhin gibt es auch bei uns reichlich Kakerlaken.

Die possierlichen Insekten sind gelegentlich für die Schließung von Restaurants oder Bäckereien verantwortlich gemacht worden – allerdings nicht, weil sie dort als Delikatesse serviert worden wären. Sie krochen auf dem Boden herum und verletzten alle Hygienevorschriften. Die gemeine Küchenschabe auf den Essensplan einer Kantine zu setzen, würde bei uns Proteste hervorrufen. In Thailand allerdings futtert man Riesenkakerlaken in verschiedensten Zubereitungen. Man tut das nicht nur auf dem Land, sondern auch in städtischen Spezialitätenrestaurants. Ob einem Europäer Kakerlaken als Lebensmittel im Restaurant oder anderen Ländern schmecken, ist aber individuell sehr verschieden.

Sind Nahrungstabus sinnvoll?

Viele Ethnologen haben sich mit dem Thema Nahrungstabus befasst und feststellt, dass sie einen tieferen Sinn haben. In unserer Zeit scheint es nicht nötig zu sein, etwas anderes zu essen, als die Supermärkte bereithalten. Klimawandel, der zunehmende Abbau der Landwirtschaft, Hungersnöte, Atomkatastrophen oder Wirtschaftskrisen können uns aber in ferner Zukunft zwingen, auch Krill, Algen oder Kakerlaken als Nahrung auf den Tisch zu bringen. Manches Tabu wird fallen müssen, vor allem in den „zivilisierten“ Ländern. Wenn die Hälfte der auf Erden lebenden Völker seit ewigen Zeiten mit Insekten über die Runden kommt, könnte es uns eines Tages nicht besser ergehen. Bereits heute kann man auch in Europa in einigen Restaurants und Onlineshops Insektendelikatessen, „Trau-Dich-Snacks“ oder Alkoholika erhalten, in denen Insekten eine Rolle spielen. Insektenlollys und Spinnen-Cocktails wurden vorgestellt. Die erste Fastfood-Kette mit Insektendelikatessen ist in Vorbereitung. Insektenkochkurse, die es bereits gibt, werden möglicherweise bald an jeder Volkshochschule angeboten. Allein die Vorstellung, dass eines Tages Kakerlaken als Lebensmittel im Restaurant oder anderen Ländern, in Schul- oder Betriebskantinen auf dem Speiseplan stehen könnten, schreckt uns ab. Es wird vermutlich lange dauern, bis unsere Geschmacksnerven sich an die Auflösung insektenbezogener Nahrungstabus gewöhnen werden. Ob sie es überhaupt müssen, warten wir gelassen ab.

Foto:© Yuri Arcurs – Fotolia.com


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